Ordination von Frauen?

Von | November 1, 2026
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Der bekannte lutherische Theologe Prof. Dr. Hermann Sasse (1895-1976) hat 1971 einen Aufsatz zur Frage der Frauenordination verfasst. In diesem stellt er zu Beginn fest, dass sich nicht alle Fragestellungen mittels eines freundlichen Dialogs entscheiden lassen und es auch Fragen gibt, „die der Teufel erfindet, um die Kirche Jesu Christi zu zerstören“. Im Falle der Frauenordination habe die Streitfrage ihren Ursprung nicht in der Kirche, sondern sei von der Welt in sie hineingetragen worden. Als Gründe für die Einführung der Frauenordination im deutschen Protestantismus nennt er u.a. den Verfall der Autorität der Heiligen Schrift und eine „Zersetzung des geistlichen Amtes in der Kirche“, welches zunehmend als normaler akademischer Beruf und vielfach nicht mehr als göttliche Stiftung angesehen werde. Schließlich führt Sasse biblische Argumente gegen die Frauenordination aus. Ein wichtiger Grund dafür, „warum eine Frau zwar Diakonin, aber nicht Bischof oder ordinierter Ältester werden kann“, sind für ihn die im Hirtenamt enthaltenen Funktionen, die der Pfarrer „an Christi statt“ verrichtet. Als Beispiele nennt er das Abendmahl und die Absolution, weiterhin könnte man die Predigt erwähnen.

Der Ausdruck „an Christi statt“ bedeutet „anstelle von Christus“ oder „im Auftrag von Jesus Christus“. Christus ist der eigentlich Handelnde im Gottesdienst, der als Bräutigam durch den Mund des ihn repräsentierenden Pfarrers zu seiner Braut, der Gemeinde, spricht (Lukas 10,16; 2. Korinther 5,20). Es ist auch Christus selbst, der mittelbar durch seine Kirche ins Pfarramt beruft. Daher kann die Kirche nicht eigenmächtig an ihm vorbei und gegen seinen Willen berufen. Mann und Frau sind auch wegen der Häupterstruktur nicht einfach austauschbar (Epheser 5,23f; 1. Korinther 11,3), wie auch Christus und die Gemeinde nicht miteinander vertauscht werden können.

Eine deutsche Übersetzung von Sasses englischsprachigem Aufsatz kann hier gelesen werden.

Das Beitragsbild zeigt Hermann Sasse. Es wurde um 1930 fotografiert und 1937 veröffentlicht. Der Fotograf ist unbekannt. Quelle: Wikimedia Commons (dort als gemeinfrei ausgewiesen).