Kann ein Mediationsprozess zur geistlichen Einheit der Kirche führen?

Von | September 26, 2026

In der Selbständigen Evangelisch – Lutherischen Kirche (SELK) hat sich über Jahre mehr und mehr eine geistliche Kluft aufgetan. Es hat sich eine innerkirchliche Bewegung etabliert, die die Frauenordination einführen und sich auch allgemein einer progressiv kritischen Theologie öffnen will. Das würde den Charakter der SELK als lutherische Bekenntniskirche grundlegend verändern, ja, aufheben. Die Kirche droht zu zerreißen und ihre Existenz ist gefährdet.

Wir haben aber Sehnsucht und Hoffnung und beten, dass uns wieder geistliche Eintracht geschenkt wird und so auch die institutionelle Einheit der SELK bewahrt bleibt. Dafür tritt die „Initiative pro Grundordnung“ (InGO) seit Anbeginn ein. Doch der Vorschlag der synodalen Einheitskommission, die Gesellschaft „KAIROS“ zu beauftragen, einen innerkirchlichen Mediationsprozess von 2026 bis 2028 einzuleiten und zu begleiten, ist kritisch zu sehen. Zudem würde es wohl mindestens einen höheren fünfstelligen Betrag erfordern, der sollte offen beziffert und benannt werden.

Der Geschäftsführer von KAIROS, Dr. Valentin Dessoy, bezeichnet sich als „Kirchenentwickler“, der eine kirchliche „Systemtherapie“ anbietet. Sie beruht maßgeblich auf soziologischen und psychologischen Erkenntnissen und Konzepten. Seine Ausgangsanalyse ist, dass die Kirche statistisch und soziologisch keine Zukunftsperspektive habe und sie entweder schleichend oder unkontrolliert zusammenbrechen werde. Deshalb müsse dem zuvorkommend ein „Transformationsprozess“ zu einer „nächsten Kirche“ eingeleitet werden. Dieser Prozess soll sich von „unten her ereignen“. Das heißt, in die Mediation werden nicht nur die Pfarrer, sondern aktiv auch die Gemeinden einbezogen. Dabei dürften sich vorhandene „Machtverhältnisse“ nicht gegen Kritik und Veränderungen „immunisieren“. Damit werden Pfarramt und „Allgemeiner Pfarrkonvent“ indirekt in die Kritik gestellt und unter Begründungsdruck gebracht.
Quellen: https://www.futur2.org/article/auf-dem-weg-zur-naechsten-kirche/  und https://www.euangel.de/ausgabe-1-2025/arbeiten-in-der-kirche-von-morgen/kommunikation-im-zusammenbruch-sichern-und-naechste-kirche-vorbereiten-die-rolle-der-pastoralen-mitarbeiterinnen-im-uebergang/

Aufgrund dieser Zielsetzung der „Kairos-Philosophie“ kann die beabsichtigte Mediation nicht neutral sein, sondern wird naturgemäß der oppositionellen Position zuneigen. Es ist zu befürchten, dass sie nicht zur Befriedung und zur Einheit unserer Kirche führt, sondern eher zum Gegenteil. Dass sich im Zuge der Mediation die Spaltung in der Pfarrerschaft und in den Gemeinden vertieft und voranschreitet! Was jahrelange theologische Gespräche bisher nicht erreicht haben, kann das mit weltlichen Mitteln bewerkstelligt werden? Kommunikative und gruppendynamische Prozesse können nicht zu geistlicher Einheit führen, sondern gegebenenfalls nur zu einem äußeren institutionellen Kompromiss. Die geistliche Kluft und Zerrissenheit aber bleibt und im Untergrund gärt es weiter bis zum nächsten Ausbruch. Geistliche Einheit kann nur vom Heiligen Geist durch Gottes Wort gewirkt und geschenkt werden, darauf sollen wir gemeinsam hören, hoffen, vertrauen und dafür beten – Kyrie eleison.

Detlef Löhde, Pfarrdiakon